Was viele Leser erstaunen mag (das hat es mich auch), ist die Tatsache, dass genau diese Auswahl die Wichtigste im gesamten weiteren Verlauf ist. Denn wählt man hier falsch, dann ist es sehr schwer, das Story-Ruder wieder rumzureißen. Leider ist mein erstes Durchspielen dieser Frechheit so lange her, dass ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, welche der beiden Möglichkeiten die ‚Richtige’ ist. Weil ich so badass bin (und zu faul bin, nochmal nach einem Walkthrough zu suchen) entscheide ich mich dazu, das Leder vorzuziehen. Vordergründig, weil ich nicht weiß, ob die Wahl mit den Werkzeugen nicht irgendwelche schrecklichen „Huch, jetzt ist mir die Zange in deinen Hintern gerutscht“-Konsequenzen nach sich ziehen würde.
Offensichtlich genau die richtige Wahl, denn Guys wird vom Fleck weg befördert. Ab jetzt ist er der Laufbursche für die Wärter und tut das, was man ihm aufträgt, was bedeutet, dass er nicht mehr nur die ganze Zeit über Schuhe nähen muss. Das … ist doch gut, oder? Nun ja, wir werden sehen. Nun geht der Junge erstmal in die Bibliothek, um dort die Bücher zu sortieren. Wenn man bedenkt, wie menschenunwürdig die Zustände in diesem Gefängnis sind, kann man wahrscheinlich von Glück sagen, dass die Leute dort überhaupt eine Bücherei haben. Und dabei handelt es sich nicht etwa um eine Abstellkammer mit ein paar Büchern drin, oh nein. Sondern um diesen Raum hier:

Die Stadtverwaltung von Alexandria hat angerufen; sie wollen ihre Bibliothek zurück …
Wow … ich möchte noch einmal daran erinnern, dass in der Zeit, in der diese ganze Chose hier laufen soll, beileibe wirklich nicht jeder überhaupt lesen konnte. Bin ich die Einzige, der dieser Versuch der geistigen Ernährung der Insassen ein wenig seltsam vorkommt? Schulbüchereien sind teilweise nicht so gut eingerichtet wie diese Gefängnisbibliothek. Ich hatte in einem früheren Teil des Reviews einen Scherz über einen Wellnessbereich gemacht, dessen Existenz mir jetzt plötzlich gar nicht mehr so unwahrscheinlich vorkommt.
Vielleicht mag man mir hier an dieser Stelle vorwerfen, dass ich das Spiel zu genau nehme und mich an unnötigen Kleinigkeiten aufhänge. Aber bitte, auf der einen Seite kommen mir hier Leute damit, dass das Spiel mit einer epischen Story aufwartet, aber gehört dazu nicht auch, für ein stimmiges Drumherum zu sorgen, damit überhaupt so etwas wie Glaubwürdigkeit entstehen kann? Zudem … mir ist klar, dass Interactive Novels vom Reißbrett hergestellt werden, zwischen einem Calpis und einer Portion Sashimi in der Mittagspause, aber gerade dieser Bildschirm kommt mir so vor wie ein Hintergrund, der eigentlich zu einem ganz anderen Spiel gehört hat, und den man hier einfach mal so reingesetzt hat, so passend wie ein Basecap auf einer mittelalterlichen Heiligenfigur.
Aber weiter im Text, schließlich geht es hier ja nicht um meine kleinlichen Nörgeleien, nicht wahr? Denn nach ein paar Minuten Büchereinräumen bekommt Guys eine weitere gute Nachricht: Er hat Besuch. Und nicht nur irgendwelchen, oh nein. Es ist Lusca, der sympathische, in Fusel marinierte Anwalt. Natürlich ist der Gute mal wieder voll wie eine Haubitze, was schlecht ist. Aber er hat Schokolade mitgebracht, was wiederum gar nicht so schlecht ist. Ich persönlich hätte jetzt auch gern welche. Er fragt Guys wie er sich denn schon so eingelebt habe, was diesen – verständlicherweise – ein wenig aufbringt. Der Junge hofft schließlich immer noch auf die Wiederaufnahme seines Verfahrens und eigentlich wäre es die Aufgabe des Anwalts, alles Nötige in die Wege zu leiten. Der Jurist wird daraufhin ein wenig unleidlich und erklärt unserem Protagonisten, dass das alles gar nicht so leicht ist, wie es vielleicht klingt. Schließlich muss man neue Indizien vorlegen können, die die Unschuld des Angeklagten beweisen, was in Guys’ Fall anscheinend gar nicht so einfach ist. Ich … weiß nicht genau, warum, aber irgendeinen Grund wird es schon haben. Und wir wollen doch nicht annehmen, dass Lusca schlechte Arbeit leistet, oder? Nachdem Guys ein wenig herumnörgelt, bietet der Herr Advokat dem Jungen an, er könne sich auch gerne einen anderen Anwalt suchen. Kein Wort mehr davon, dass er von der Mutter unseres Helden schon im Voraus von all den Ersparnissen bezahlt wurde, die der Familie zur Verfügung standen, aber ich bin sicher, die sind ohnehin schon in etwas Hochprozentiges investiert worden. Noch einmal versucht es Guys auf die Mitleidstour und ich schwöre, wenn ich noch ein paar Mal hören muss, wie er sagt, dass er niemanden umgebracht hat, werde ICH zur Mörderin. Auf Guys erbärmliches Gewimmer kontert Lusca mit altklugen Juristenweisheiten aus der Hölle.
In a trial, truth isn’t what matters. Without evidence, truth means nothing.
Selten zuvor wurde in so vielen Worten so wenig gesagt. Muss ich eigentlich noch betonen, wie sich dieses Geschwurbel selbst ad absurdum führt? Achtung, liebe Leser, jetzt kommt ein wenig Schwung in die Sache mit Guys angeblichem Verbrechen, denn nun hat Lusca eine schier geniale Idee; eine Idee, die SO gut ist, dass ich bereit bin zu glauben, dass man ein wahrhaft fähiger und erfahrener Jurist sein muss, um überhaupt darauf zu kommen.: Er fragt Guys, ob es vielleicht jemanden gäbe, der bezeugen könne, dass unser Held den Mord nicht begangen hat.

ExcuuuuuuuuuuuuuuuuuUuuuuuuuuuuuse me, princess! Ich selbst habe noch nie als Strafverteidiger gearbeitet, aber ist das nicht … nun ja …das ganz normale Prozedere? Also, Entlastungszeugen und so? Erneut stellt sich mir die Frage, was das für eine Gerichtsverhandlung gewesen sein will. Gottchen, ich glaube, selbst die Verhandlungen bei Babsi Salesch sind da authentischer. Warum fragt eigentlich niemand den Ladenbesitzer, der Guys gejagt hat, als der Mord passiert ist?! Gaaah, es ist schon WIEDER so weit, ich versuche schon wieder, Logik in das Spiel zu bringen! Damit muss Schluss sein! Schluss, schluss, schluss!
Wenigstens versucht das Spiel wieder, ein wenig Boden wett zu machen, denn offensichtlich hat der Geistesblitz, der sich anscheinend unabsichtlich in das Zimmer verirrt hat, sich in Guys’ hohlem Schädel eingenistet. Lusca solle doch nach den Jungs suchen, mit denen unser Protagonist den Bonbonklau vom Anfang geplant hatte. Potzblitz!
Lusca verspricht es – wahrscheinlich um endlich das Gespräch beenden und das Weite suchen zu können – und so endet auch diese Episode und hinterlässt einen schalen Nachgeschmack auf unserer Zunge und in unserem Kopf. Es ist ein bisschen so, als hätten meine Gehirnzellen eine Party in meinem Schädel gefeiert und irgendjemand hätte sich hinter den Heizkörper übergeben.
Die Zeit vergeht und Guys gammelt vor sich hin, bis schließlich Durer erscheint und ihm ausrichtet, dass er einen Besucher habe, der ihn erwartet. Da er wahrscheinlich ohnehin keine große Wahl hat, trottet Guys ihm hinterher und Durer bringt ihn … Holy crap!

Achtung Guys, es sind die Gaskammern! Oder die Verbrennungsöfen! Oder … ich weiß es auch nicht. Wo befinden wir uns hier, meine Damen und Herren? Das hier ist kein Gefängnis im Jahr Achtzehnhundertdickmilch, das hier ist eine Mischung aus einem Asiatischen Kinderstrich, dem Arkham Asylum und der Spencer Villa.
Wenig überraschend für uns alle ist es, dass Durer Guys in ein schrecklich anmutendes Folterzimmer führt. Und dort wartet auch schon … Guildias! Sie wissen schon, der Typ, der es geschafft hat, Guys den Mord anzuhängen. Was will der nur hier? Ach so, er will uns fesseln, von der Decke hängen lassen und uns vergewaltigen. Mit seinem .. Gehstock. Guys fängt an zu quieken als gäbe es kein Morgen mehr und wenige Bilder später tropft sein nicht mehr ganz jungfräuliches Blut von Guildias’ Gehhilfe. Entschuldigen Sie, ich gehe mir kurz meine Augen mit Brennspiritus auswaschen.
Nach diesem kleinen Intermezzo ist es wieder Zeit für einen Besuch unseres Anwalts, der natürlich nichts, aber auch gar nichts rausgefunden hat, weil Guys’ Freunde nicht mehr aufzufinden sind (wobei es mich ohnehin schon wunderte, dass jemand wie unser Super-Uke wirklich Leute hat, die er Freunde nennt …).
Der Ladenbesitzer! Sucht nach dem Ladenbesitzer, verdammt nochmal!
Schade, schade. Schon wieder herrscht Ratlosigkeit allenthalben.
Herrgott! Der LADENBESITZER! Ihr dummen Vollidioten!
Und nun sind wir – schon wieder – da, wo wir vor ein paar Seiten schon einmal waren: Unser Held fängt an zu heulen und beschuldigt den Anwalt, seinen Job nicht richtig zu machen und Lusca ist besoffen und interessiert sich einen Scheißdreck für Guys’ Geflenn.
Warum hört mir eigentlich niemand zu? Warum fragt ihr nicht einfach den %“&§/&/§ Besitzer DES Ladens, in dem Guys versucht hat, Süßes zu klauen? Zur Zeit der verdammten MORDES?!
Ich habe es satt, ständig und dauernd Dialoge mit dem selben Inhalt zu lesen, aber wenigstens hat das Spiel diesmal anscheinend ein Einsehen mit mir. Lusca wird die ganze Sache nämlich zu bunt und er verabschiedet sich mit der festen Absicht, nicht noch einmal ins Gefängnis zu kommen. Auch, wenn es komisch klingt, aber ich bin gerade fast ein wenig erleichtert über diese Ankündigung.
Immerhin, er hat Guys – aus welchem Grund auch immer – ein paar Zeitungsartikel mitgebracht, die sich mit seinem Fall beschäftigen. Obwohl er nicht lesen kann schaut sich Guys die Berichte doch an, bis er schließlich einschläft. Durer weckt ihn schließlich und jeder von ihnen, der noch naiv genug ist, zu glauben, dass das keine schrecklichen Folgen haben wird, bekommt von mir einen Trostpreis.
Durer meint, er habe gemerkt, dass der Junge ein wenig aufgeregt ist und er bietet ihm an, ein wenig mit ihm zu spielen, um ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Durer bemerkt die Schokolade, die Guys in seiner Zelle aufbewahrt und fragt Guys, ob er Limonade mag (gab es die eigentlich schon damals, als … ach, egal). Auf jeden Fall macht Durer seine Hose auf und
--- Eintrag wurde aufgrund eines zweiminütigen hysterischen Zusammenbruchs der Autorin unterbrochen ---
So, es geht wiede.r Ich … ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich meine … ich habe gerade ein schrecklich gezeichnetes Kind dabei gesehen, wie es Durers Urin getrunken hat. Das sind Dinge, die man nicht beschreiben kann, ich konnte nicht einmal ein Bild davon einstellen, weil ich nicht wüsste, wo ich verdammt nochmal das zensieren anfangen sollte. Da der Animexx immer noch nicht mit einer adult-Funktion für einzelne Blog-Einträge um die Ecke kommt, wird es zu dieser Szene kein Bild geben.; und wer weiß, vielleicht ist das auch das Beste so.

Ich kann es irgendwie nicht erklären, aber ich fühle mich schmutzig. Das ist einer DER Momente, in denen ich mich wirklich dafür schäme, Geld für dieses Spiel ausgegeben und zu seinem kommerziellen Erfolg beigetragen zu haben. Ich werde diese 12 Euro niemals wieder bekommen und ich hätte dafür einem Kind in Afrika eine Augenoperation oder einen Quadratmeter Regenwald retten können.
Das ist etwas, das man nie ganz rausbekommt, egal wie sehr man sich einredet, dass es schon OK und irgendwie auch gerechtfertigt war, denn das ist es nicht. Wirklich, das … das ist es nicht. Einfach nur … nein. Ich … muss schlafen. Und mein Hirn mit Bleiche auswaschen gehen. Dann werde ich mich in ein Koma trinken, das mich vergessen lässt, was ich gesehen, gelesen und gehört habe und vielleicht, vielleicht schaffe ich es so, die Schuld und den Ekel, den ich vor mir selbst empfinde, ein wenig in den Hintergrund zu drücken.
Enzai … Enzai TUT das mit einem. Ja.
Bis zum nächsten Mal, liebe Leser.
Ich muss sagen, das Urinieren in ein Kindesmund ist echt nicht schön, aber es gibt tatsächlich fetische, die auf sowas hinauslaufen.
AntwortenLöschenDer Partner dabei ist zwar normalerweise Erwachsen und es geschieht in Einverständnis der beiden. Es gibt das ganze auch mit Fäkalien und damit das nicht so unschön klingt, nenn man es Natursekt und Kaviar, bitte frag mich nicht woher ich das weiss.
Mit freundlichen Grüssen
TorturNight