Und glauben Sie mir, liebe Leser, Sie haben sich auf einen wilden Ritt eingelassen denn – leider – sind wir noch immer nicht auch nur in der NÄHE desssen, was man eine zufrieden stellende Katharsis oder Auflösung des ganzen Plots nennen könnte. Ich hoffe also, Sie haben daran gedacht, sich eine Stulle zu schmieren und mitzubringen.
Obwohl die Meisten von uns sicherlich nicht mehr damit gerechnet hatten, schafft es Lusca es schließlich doch noch einmal, sich zu seinem Klienten zu bequemen. Er meint, er sei eigentlich nur gekommen, um Guys zu fragen, ob er denn etwas benötige. Von einem seiner wenigen lichten Momente beseelt meint unser Protagonist, dass er eigentlich nichts anderes haben möchte, als dass Lusca endlich ein paar Beweise findet, die beweisen, dass unser Junge den Mord, der ihm angelastet wird, nicht begangen hat.
Jeder, der halbwegs interessiert mitgelesen hat, hat wahrscheinlich schon ein paar gute Ansatzpunkte gefunden, denn seien wir ehrlich – bei der eigentlich nicht existenten Beweislage ist es eigentlich ohnehin schon unglaubwürdig, dass Guys ÜBERHAUPT verurteilt wurde. Die fünf Freunde könnten den Fall lösen und dann wäre noch die halbe Hörspielkassette frei. Aber Lusca, so unfähig wie eh und je, wiegelt ab: Nein, solche Beweise gäbe es nicht.
Guys, der augenscheinlich ein weitaus größeres detektivisches Gespür als sein Anwalt besitzt bemerkt, dass Lusca immer wieder zur Türe schaut – so, als würde er auf jemanden warten. Als man ihn darauf anspricht, wirkt der Advokat ziemlich ertappt und sagt schließlich, dass in diesem Gefängnis ein Insasse sei, der vor einigen Jahren Luscas Ehefrau umgebracht hat. Ob das nun stimmen mag oder nicht, da ist sich unser Protagonist nicht sicher und fragt auch aus mangelndem Interesse heraus nicht weiter nach. Dafür muss er sich nun von Lusca fragen lassen, ob er denn selber irgendwelche Beweise für seine Unschuld gefunden habe.
Im Gefängnis.
Sie wissen schon, lieber Leser, dem Ort, an dem man wahrscheinlich als LETZTES nach Beweisen suchen würde – vor allem, weil man vor lauter Schmerzen im Po nicht mehr aufrecht stehen kann. Guys sagt genau das selbe und Lusca verabschiedet sich, allerdings nicht ohne die tröstliche Nachricht, dass wir einfach noch ein paar Jahre warten sollten – denn das 20. Jubiläum der französischen Revolution nähert sich und man könne dann wahrscheinlich auf eine Amnestie hoffen.
Haben wir in Deutschland eigentlich auch am 20. Jubiläum des Mauerfalls alle verurteilten Gewaltverbrecher aus dem Gefängnis entlassen? Falls ja, muss ich das irgendwie vergessen haben … Aber nun ja, es ist Luscas Geste, die zählen sollte.
An dieser Stelle möchte ich einen lange überfälligen Einwurf anbringen. Sie als Leser werden es schon längst bemerkt haben, aber die Szenenwechsel in meinem Review gehen sehr abrupt vor sich. Ich bedauere das sehr, allerdings gibt es einen Grund dafür: Das Spiel macht es so. Es gibt von einer Szene zur nächsten keine Überleitung. Der Hintergrund wechselt und Guys’ innerer Monolog offenbart, dass es ein anderer Tag ist. Keine genauen Angaben, keine Wochentage, nichts. Daher verzeihen Sie mir bitte meine rumpelnden und wenig eleganten Übergänge – ich kann es nicht besser, weil mir nichts geliefert wird.
Sei es, wie es sei, es gibt mal wieder zu wenig Arbeit im Gefängnis und Guys wird von Durer zum Wäschemachen geschickt. Dort jedoch erfährt er, dass es auch dort nichts mehr zu machen gibt. Durer ist offensichtlich ein Mensch, der die Meinung vertritt, dass ein freier Nachmittag den Charakter ruiniert. Er verspricht, dass Guys mit ihm ein paar spaßige Aufgaben zu erledigen habe und dass er sich doch keine Sorgen machen solle.
Aaaalles klar, Herr Komissar.

Aber gut, genug davon. Wollen wir doch mal sehen, was uns da erwartet. Guuuuut … Durer bringt Guys nach unten zu den Gaska … den Folterkammern und …
Oh schaut nur, Kinder! Der Clown ist da!

OK, das war vielleicht nicht sonderlich fair aber … ich meine … lieber Himmel, sehen Sie ihn sich doch an, liebe Leser. Und als ob das Aussehen noch nicht lachhaft genug wäre, ist die musikalische Untermalung mit dem Auftauchen von Bollanet vollkommen außer Kontrolle geraten. Stellen Sie sich die Musik vor, die ein russischer Zirkus spielen würde, wenn Pavel, der dicke Clown mit den Depressionsproblemen in einem quietschenden Mini-Fahrrad in die Manege fährt – das käme der Musik zumindest nahe.
Der Spaß hat ein Ende, als Bollanet betont, dass er eigentlich lieber feminine, schmutzige Männer möge, aber ein Kind sei auch in Ordnung. Oh ja, und Durer, der fragt, ob er Guys denn behalten dürfe, wird an den Karren gefahren – denn ein lustiger kleiner Hüpfer wie unser Protagonist sollte für alle da sein!
Aber Durer hatte uns Spaß versprochen, oder nicht? Ja, und genau DER fängt nun an. Auf einem Tisch stehen – so sagt uns Guys – Wein und Käse. Und was auch immer sie sich damit vorstellen können – vergessen Sie es bitte schnell wieder.
Guys wird befohlen, sich auszuziehen, er tut es und wird von Durer gefesselt. Natürlich wird er auch richtig schön bumsbereit drapiert – leicht gebückt, Beine gespreizt, Arsch rausgestreckt. Oh ja, und ihm wird auch etwas angelegt, das ich eigentlich nur als Handschelle für den Penis bezeichnen kann, an eine Art Anti-Keuschheitsgürtel angebracht. Wobei, das sieht man wiederum nur auf dem Bild, im Text geht diese Tatsache verloren.
Bollanet tritt hinter Guys und ich habe nie einen Mann so ausführlich über einen Hintern referieren hören. Und wenn das Anschauen nicht mehr ausreicht, dann will man auch anfassen. Ohne viel Federlesens hat Guys die Finger des Gefängnisdirektors im Hintern, der hingebungsvoll darin herumpopelt und schließlich befindet, dass man da ein wenig was anfeuchten müsse.
Und womit macht man das? Haargenau, mit Wein natürlich. Also Flasche in den Hintern und rein mit dem erlesenen Tropfen und zwar so lange und so viel, dass Guys Schmerzen in seinem Magen fühlt. Offensichtlich ist das wohl eine dieser 10 Liter fassenden Kompressorflaschen, die immer so laut knattern, wenn man sie anbricht. Man lernt nie aus.

Einige von Ihnen werden jetzt vielleicht erschrocken aufschreien und schon einmal ihren Blutspendeausweis suchen gehen, aber keine Angst, das Rote, das da so schön über den Schirm kleckst, das ist nur Rotwein. Kein Grund zur Sorge, ehrlich.
Und während der alte Bollanet von hinten durchreicht und Guys den Lurch würgr, trinkt er ihm zur selben Zeit den Wein aus dem Arsch.
…
Nun schauen Sie mich bitte nicht so an, ich habe mir das nicht ausgedacht.
Und das Spielchen geht genau so lange, bis Guys endlich wieder einen Orgasmus hat, der lachhafte Cumshot uns erlöst und wir zur nächsten Szene holpern können.
Gut, dass auch im Rape-Knast des Todes Platz für allerlei normale Probleme ist. Auf dem Weg zum Essen nach der Arbeit begegnet Guys wieder seinen beiden Freunden Jose und Io, die ihm davon erzählen, dass offenbar einige der Insassen nach einem verdorbenen Essen mit einer Fischvergiftung abgestraft flach liegen. Gut für Guys, denn das heißt, dass es heute vielleicht eine doppelte Portion Abendessen abstauben kann. Und nicht nur das, denn da Jose und unser Protagonist dicke Freunde sind, wie wir ja schon wissen, veranstalten die beiden ein Wettessen, einfach so, und alle haben ganz arg viel Spaß und verstehen sich toll.
Nein, das war ausnahmsweise mal kein überzogener Zynismus meinerseits, das ist genau das, was passiert.
Ich meine, nichts dagegen, dass sich die Kinder mal vertragen, anstatt übereinander herzufallen aber … wie wäre es mit einem kleinen BISSCHEN Continuity? Zu viel verlangt? Anscheinend ja, aber gut, wenigstens bin ich nicht diejenige, die mit Jose zusammen Essen muss. Immerhin sind Rape und Gewalt schnell vergessen, das Wettessen endet mit einem Unentschieden und es macht beinahe den Eindruck, als seien aus Jose und Guys tatsächlich Freunde geworden. Wahnsinn! Jetzt muss ich das nur noch glauben können und alles wäre in Butter.
Nach diesem kleinen Intermezzo wechseln wir einmal mehr die Szene und befinden uns nun auf der Krankenstation, in der Guys durchfeudelt, bis schließlich der frisch vergewaltigte Vallewida von den Wärtern hereingebracht und auf ein Bett gelegt wird.
Der Doktor ist an diesem Tage nicht da und Guys beginnt schließlich, die Vorräte in den Regalen aufzustocken. Als Vallewida schließlich wach wird, bietet dieser dem Jungen seine Hilfe an – von Vorteil, denn im Gegensatz zu unserem Helden kann der Exsoldat wenigstens lesen.
Die beiden unterhalten sich ein wenig miteinander und Vallewida vertraut Guys an, dass er nicht nur bereits seit vier Jahren einsitzt, sondern auch eine lebenslange Strafe zu verbüßen hat. Der ehemalige Soldat, gute Seele, die er nun mal ist, spricht unserem Helden Mut zu und nicht nur das, er verteidigt sogar Lusca als den einzigen Menschen, dem Guys anscheinend wichtig genug ist, dass er ihn besucht.
Dass das falsch ist, kann er zwar nicht wissen, aber ICH weiß es. Zumindest Guys’ Mutter würde ihn wahrscheinlich gerne besuchen, doch die Familie musste nach der Verurteilung ihres Sohnes fortziehen. Lusca ist nicht mehr als ein BEZAHLTER Besucher, für den die Mutter des jungen alle ihre Ersparnisse aus dem Fenster geworfen hat.
Beim nächsten Treffen lässt sich der Anwalt immerhin erweichen, in der Akte über den Fall nach entlastendem Material zu suchen. Ja, NACH diesem Besuch. Ist das nicht herrlich? Jeder andere hätte wahrscheinlich genau DORT angefangen, und zwar am besten noch vor der Verhandlung. Wer so einen Verteidiger auf seiner Seite hat, wählt lieber gleich den Strick.
Die nächste Szene beginnt mit einem Knall: Er ist tot! Belbel ist tot, erschossen bei einem Versuch, sich zu befreien. Was das bringt? Keine Ahnung, denn – Sie haben es sicherlich gemerkt – auf dem von mir genommenen Weg durch das Spiel haben wir nicht ein einziges Mal mit Belbel zu tun gehabt, warum sein Tod uns nun also etwas bedeuten sollte, entzieht sich meiner Kenntnis.
Aber liebe Leser, haben Sie acht, denn wir stehen vor einem Schlüsselmoment. Guys wimmert monologisierend herum, dass er unschuldig sei, dass er nicht so enden wolle wie Belbel und dass er es schaffen wird. Irgendwie.
Und schließlich kommt ihm der Gedanke, sich einfach Durer so hinzugeben, wie dieser es sich von ihm wünscht, denn immerhin … tut das eigentlich gar nichts zur Sache. Ich weiß nicht, was das Spiel auf einmal von mir will, aber es scheint, es will mir sagen, dass die Sache bald ein Ende nimmt. Und wie das aussieht, kann sich wahrscheinlich schon jeder von Ihnen hier denken.
Dennoch mache ich hier einen Schnitt, liebe Leser. Wetten auf das Ende werden nun angenommen. Und glauben Sie nur ja nicht, Sie seien danach aus dem Schneider. Ich habe Ihnen versprochen, dass wir die tiefgründige Geschichte aufdecken und das werden wir auch. Verlassen Sie sich darauf.
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