Montag, 6. September 2010

Enzai 04 - Local Hero

Oh, da sind Sie ja wieder, liebe Leser! Schön, Sie wieder zu sehen. Ich kann Sie beruhigen, Sie haben auch gar nichts verpasst bisher. Guys ist immer noch ein naives Halbhirn, Durer wechselt gerade seine Handschuhe und insgesamt hat sich das Ensemble dieses höchst anspruchsvollen Novels dazu entschlossen, zu Höchstleistungen aufzulaufen, um Sie – das geneigte Publikum – zu unterhalten, zu schockieren; ja, gar um Sie aufzuwühlen. Denn wie Sie im weiteren Verlauf sehen werden, ist Enzai keine billige Fleischbeschau, oh nein. Denn nun, meine Damen, meine Herren, liebe Kinder, ist es Zeit, die übrigen Insassen des Gefängnisses ein wenig näher kennen zu lernen. Freuen Sie sich schon? Ja? Ich mich auch.

Als wir unseren Protagonisten das letzte Mal sahen, stand er mit heruntergelassenen Buchsen in der Wachstube und hatte eine ganze Zeitlang Durers Finger in seinem Hintern. Jetzt, nachdem es zum Antreten gebimmelt hat, darf er sich seine Hosen wieder anziehen und merkt an, dass Durer ihn wohl verletzt hat, als er versuchte, in dem Hintern des Jungen nach Waffen zu suchen (Natürlich hat er das gemacht! Anderenfalls wäre das ja nicht mehr als der billigste Aufhänger zu unsittlichem Verhalten gewesen, das … Oh ….). Während Guys das Blut an den Beinen heruntersickert, wird er von Durer angemotzt, dass er nicht rumtrödeln solle. Während Guys mit Schmerzen in der Rückseite neben dem Hauptmann der Wache herwatschelt, bekommt er den Zeitplan vorgebetet.

06:00 Uhr – Wecken

06:00 – 06:05 Uhr – Anziehen

06:05 Uhr – Antreten

06:10 – 06:30 Uhr – Frühstück

06:30 – 12:00 Uhr – Arbeiten

12:05 – Antreten

12:10 – 12:40 Uhr – Mittagessen

12:40– 18:00 Uhr – Arbeiten

18:05 – Antreten

18:05 – 18:35 Uhr – Abendessen

(jeden zweiten Tag die Möglichkeit, sich zu duschen, von 18:35 – 19:05 Uhr, jeden Tag, wenn das Duschen nicht erlaubt ist, sind die Nicht-Duscher für das Waschen der Wäsche zuständig.)

Danach ist bis zum Schlafengehen um 22:00 Uhr die Zeit zur freien Verfügung, eventuelle Vergewaltigungen sind also reines Privatvergnügen. Erstaunlich, oder? Ich naives Stück dachte immer, dass es die Leute damals mit dem Waschen nicht so genau genommen haben. Mit einer Dusche jeden zweiten Tag dürften diese Gefangenen die hygienische Elite des napoleonischen Zeitalters darstellen. Aber ich versuche schon wieder, diesem Spiel mit Logik oder geschichtlichen Fakten beizukommen. Tut mir leid. Bitte entschuldigen Sie mich, während ich mir mein Büßerband um meinen Oberschenkel lege. Durer empfiehlt Guys, er solle nicht zuviel nachdenken (wenigstens das wird ihm nicht besonders schwerfallen) und stattdessen sein Leben nach der Uhr ausrichten. Den Rest könne er sich von seinen Mitgefangenen abschauen, mit denen er sich auch anfreunden könne, wenn er denn wolle. Diejenigen unter ihnen, die noch die Charaktervorstellung im Kopf haben, werden sich daran erinnern, dass die wichtigsten Insassen des Gefängnisses aus Leute bestehen, die ich noch nicht mal meine Einkaufstüten tragen lassen würde.
Ein Szenenwechsel zeigt uns den Hof des Gefängnisses. Seltsamerweise fühle ich mich nicht an einen Hof, sondern eher an den Grund eines Brunnens erinnert, was teils an der runden Bauweise und teils an den wirklich erstaunlich hohen Mauern liegt. Eine hohe Mauer um ein Gefängnis macht natürlich Sinn, das steht vollkommen außer Frage, aber warum baue ich eine, wenn sich in der Mauer Nischen befinden, in denen jeder halbwegs talentierte Klettermaxe nach oben steigen könnte?
Die Gesichter der Insassen erscheinen Guys seelenlos. Besiegt. Gebrochen. Oh, und sie stinken, obwohl sie jeden zweiten Tag duschen dürfen. Irgendwie hege ich den verdacht, dass es sich dabei um den etwas fischigen Geruch männlichen Ejakulats handelt, der sie da so fesch umwölkt, aber beweisen kann ich es nicht. Guys wird mit einem beherzten Schubs nach vorne gedrängt und schüchtern und ukig, wie er nun mal ist, begrüßt er die versammelte Mannschaft erstmal stotternd und mit einem schiefen Grinsen im Gesicht. Da Guys mit seiner unbeholfenen Schüchternheit anziehender wirkt als eine betrunkene Jungfrau auf einer Highschoolparty hat er natürlich auch gleich den ersten schwulen Insassen an der Backe. Der nett gemeinte Rat eines Mitgefangenen, der Junge solle auf seinen Rücken aufpassen, verhallt bei mir im Geräusch, der meine an meine Stirn klatschende flache Hand verursacht. Durer verpasst mir noch schnell die Nummer meiner Zelle und das Antreten ist eigentlich schon beendet und Guys Hintern ist auch schnell vergessen, denn das Bimmeln der Glocke bedeutet vor allem eines:
Es ist Zeit fürs Essen.
Guys steht – wie er nun mal ist – abseits und hält Maulaffen feil, bis er noch einmal von jemandem darauf hingewiesen wird, dass es Zeit wird, die Raubtiere zu füttern. Als Guys sich umdreht, sieht er in das Gesicht von …

WAH!





Aha, er hat also Piercings in den Ohren? Das ist das erste, was dir auffällt, diese kleinen grauen Punkte in seinem Ohr? Nicht seine abgefahren hässlichen Tätowierungen in erstaunlich modernem Design? Auch nicht seine weißen Haare oder seine Augen, die dicker angemalt sind als die von Loretta, der Drag Queen? Seinem Grinsen nach zu urteilen hat der seinen langen Schwanz zwischen die Beine geklemmt und die Hörner auf seiner Stirn eingezogen, weil sie ihm beim Kämmen im Weg waren. Wahrscheinlich ist er der Einzige in diesem Spiel, dessen Design auch nur halb so schlecht ist wie das von Guys. Die Augengröße wurde um 200% reduziert und dafür die Hose um 300% aufgefüllt, das spirrelige Charaktermodell nochmal schnell ein bisschen in die Länge gezogen und die Haare anders gefärbt und tadaaa – fertig ist Captain Scowlyface. Und Guys fühlt sich in seiner Gegenwart unwohl. MIR ist das unbegreiflich.
Gleich darauf schiebt sich der nächste Charakter ins Bild, ein ständiges Anhängsel von Jose, nämlich Io, der von Guys sofort als schwach, klein und ängstlich erkannt wird. Unser Held geht sogar an dieser Stelle schon davon aus, dass es sich bei Io um die „Frau“ von Jose handelt. Uärgs! Erstaunlich, wie schnell sich der plötzlich auftauchende Überlebensinstinkt bei unserem Protagonisten einschaltet. Er meint sich nun sogar in der Lage, die Situation nach Rape-Wahrscheinlichkeit beurteilen zu können und kommt nun zu dem Schluss, dass Io das Ultra-Uke eine kleine Sicherheit für ihn darstellt, denn wer sollte sich schon an ihm vergreifen, wenn jemand in der Nähe ist, der sich noch weniger wehren kann als er? Klare Sache!
Und so kommt es, dass Guys der Orientierungslose hinter Jose und Io hertrabt, hinein in den Speisesaal und in Richtung der ersten(!!!11!elf!!) Entscheidungsmöglichkeit in diesem Spiel.
Was soll ich nun tun? Soll ich

- mich zu Jose an den Tisch setzen; oder
- mich NICHT zu Jose an den Tisch setzen?

Ich entscheide mich für Jose, weil ich sonst ja noch niemanden kenne und ich auf diese Weise vielleicht herausfinden kann, wo er sich seine trendigen Piercings hat stechen lassen. Anfangs ist Guys nicht wirklich von Interesse, schließlich verschwendet der gute Jose keinen Blick an uns, als unser Held fragt, ob er sich mit an den Tisch setzen darf. Dafür bietet er Guys ritterlich an, sein Essen zu nehmen, wenn er es nicht möchte. Das erste, was unser Uke tut, als er beginnt, seine Suppe zu löffeln, ist jammern. Die Suppe ist zu dünn, das Brot ist zu hart und die Kartoffeln haben keinen Geschmack. Immerhin, in diesem Gefängnis gibt es drei Mahlzeiten am Tag, in einer Zeit, in der viele Leute auf den Straßen verhungert sind. Irgendeinen Grund zum Jammern hat das Kind anscheinend immer. Ich wette, seine Familie ist ganz froh, dass er nicht mehr da ist, um sie zu nerven. Aber wenigstens eine Hoffnung gibt es: An Weihnachten, so sagt uns Jose, sei das Essen besser. Danach steht er auf und geht, während Guys widerwillig das Essen nach unten würgt. Als ob das allein nicht schon leidensvoll genug ist, wird die Mitleidsrate rasch um 90 Punkte erhöht, als Io ins Bild stolpert. Sogar Guys scheint ein wenig von ihm irritiert zu sein, entschließt sich aber nun doch, mit dem kleinen Jungen Bekanntschaft zu schließen und lügt sogar daher, dass es nett sei, ihn kennen zu lernen (meine Freude über die Begegnung hält sich im Moment ziemlich in Grenzen). Die beiden tauschen ein paar Gefängnisinterna aus und die schreckliche Tatsache, dass Guys an diesem Tag keine Dusche nehmen können wird, wird noch einmal extra herausgestellt. Warum? Keine Sorge, Sie werden es bald sehen, versprochen. Io, das nette und absolut Vertrauenswürdige Uke erbietet sich, uns in der Zeit, in der sich die anderen Insassen um ihre Wäsche kümmern, ein wenig herumzuführen. Ist das nicht herzig?
Guys freut sich so sehr, dass er sich eines grinst, doch Io schaut nur betreten weg und weicht seinem Blick aus. Meine Damen und Herren, ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen:
Io ist nur nett zu uns und hinter seinem Angebot stehen keinerlei Hintergedanken. Das ist doch sonnenklar. Schließlich ist er lieb, klein und absolut vertrauenswürdig.
Guys, der Schlaufuchs, findet, dass das Verhalten des Kleinen durchaus ein wenig merkwürdig ist, aber er ist sicher, dass sich schon alles irgendwie zum Guten klären wird. Hat ja bisher auch alles wunderbar geklappt. Also tapert Guys dem Jungen hinterher. Unser Mitinsasse zeigt uns die Bibliothek, die Duschen, die Werkräume, den Swimmingpool, die Hausbar und den Abenteuerspielplatz bis Io schließlich den wichtigen Teil der Führung ankündigt: Die Zellen.
Nochmal für alle, die es nicht mitbekommen haben: Da steckt kein gemeiner Trick dahinter. Gar nicht! Wie kommen Sie nur auf solche Gedanken!
Dem Protagonisten des Novels fällt auf, dass ihm bisher niemand gesagt hat, wo seine Zelle ist und Io versichert, dass er, als er hierher gebracht wurde, das gleiche Problem hatte. Offenbar ein kleiner Witz der Gefängnissicherheit. Nichts ist komischer, als einen neuen Häftling an seinem ersten Abend wimmernd durch die Flure kriechen zu lassen, auf der Suche nach seinem Schlafplatz.
Unser neuer kleiner Freund führt uns in einen langen, dunklen Gang, in dem sich sehr viele Zellen befinden.
Keine Hintergedanken! Von einer Falle keine Spur! Ich garantiere, dass …
Nun, lassen wir diesen Unsinn. Natürlich wissen wir doch alle, worauf das hinauslaufen wird, oder?
“Komm Guys, lass uns in diesen dunklen Gang gehen, ganz allein.“
„Oh ja, gerne! Was machen wir denn da?“




Plötzlich der vorher ach-so-gesprächige Io ziemlich still, wie er da mit einem durch den Gang schleicht und dreht unserem Helden nicht einmal mehr den Kopf zu, wenn er ihm antwortet. Langsam, ganz langsam, kommt unserem klugen Guys an der ganzen Sache etwas spanisch vor, aber noch bevor die Gedankenblase in seinem Schädel platzen kann, steht er schon vor Ios Zelle und ist – wie er und wir erschrocken und unglaublich überrascht feststellen müssen – nicht mehr allein. Jemand grabscht nach ihm und zerrt ihn in die Zelle. Und dort wartet auch schon Jose auf uns! *gasp*




Nun ja, wir wollen ja nicht überreagieren, nicht wahr? Immerhin könnte er alle möglichen Gründe haben, hier zu sein und dafür zu sorgen, dass Io Guys hierher lockt. Und gleich darauf können wir alle erleichtert aufatmen: Er hat nicht mehr getan, als eine Willkommensfeier für unseren Helden auf die Beine zu stellen. Uff, sind Sie auch so beruhigt wie ich, liebe Leser? Dann können wir also davon ausgehen, dass die Typen, die uns gerade festhalten, nur verhindern, dass wir uns bei unseren unausweichlichen Freudensprüngen verletzen. Gleich bringen die Jungs einen Kuchen und Bowle und wir werden alle …

Um Gottes Willen!



Ich hasse diesen Novel, ich hasse ihn, ich hasse ihn. Oh ja, für den Fall, dass Sie sich fragen, was Guys da im Mund hat: Das ist seine Unterhose. Natürlich hat er gerade die üblichen Uke-Probleme: Seine Körperhaltung ist ihm zu unbequem, seine Unterhose scheint nicht nur so luftundurchlässig zu sein, dass er fast erstickt (Junge, du hast eine Nase im Gesicht!), sondern sie dämmt auch noch jeden seiner Laute so ein, dass er wieder einmal nur wimmern und quieken kann. Gut, ich hätte das Stückchen Stoff wahrscheinlich ausgespuckt und dann laut um Hilfe geplärrt. Aber dann wäre vielleicht Durer gekommen und … gut, wahrscheinlich hätte ich es doch lieber sein gelassen. Auf jeden Fall scheint Guys die ganze Prozedur nicht ganz zu bekommen, er befürchtet sogar, dass seine inneren Organe mit aus seinem Hintern flutschen könnten, als einer der Insassen die Finger wieder aus seinem Darm zieht. Ich weiß nicht ganz, wie er sich das vorstellt, aber man möge mir verziehen, dass ich das Bild, das sich gerade in meinem Kopf formt, amüsanter finde als das, was gerade auf meinem Bildschirm vor sich geht. Nun ja, aber dabei bleibt es natürlich nicht und ratzfatz steckt Jose mit seinem … nun, er befriedigt … ach, was zum Teufel! Er fickt Guys den Verstand aus dem kleinen Kopf. So, nun isses raus! Endlich! Tut mir leid, dass ich nicht mehr in der Lage bin, das noch irgendwie freundlich zu umschreiben, aber es geht im Moment einfach nicht mehr. Schon allein die plötzlich eingespielten klatschenden Geräusche, die das grafisch eigenwillige Gerammel untermalen, treiben mich an den Rand eines unangenehm tiefen Abgrund. Jose ist begeistert darüber, dass Guys vorher noch nie mit einem Mann intim war, rät ihm, dass er diesen Moment genießen solle und mir wird schlecht. Während die Männer noch ein bisschen über das Blut sinnieren, das aus Guys’ Arsch sickert und ich damit kämpfen muss, meinen Kakao in mir zu behalten, bin ich mir noch nicht über im Klaren, was mich hier erwartet: Die Enzai-Cumshots. Ich kann es hier ja schon einmal vorweg nehmen, schließlich ändert sich an dieser Tatsache im Verlauf des gesamten Spiels nichts: Die Bishis in Enzai sind nicht nur teilweise heftig deformiert, sondern können auch kommen wie die Feuerwehrschläuche. Hier beispielweise fließen so viele Säfte zärtlicher Zuneigung, dass der winzige Shota-Arsch unseres Helden nicht in der Lage zu sein scheint, die ganze Masse überhaupt aufzunehmen; das zumindest ist die einzige Erklärung für die Sperma-Explosion, die gerade in meinem Monitor vonstatten geht.
Höflich, wie Jose ist, teilt er seine neue Eroberung mit seinen Kumpels und so kommt es, dass die Feier doch ein bisschen länger dauert. Teilweise können wir verwöhnten Kinder der Neuzeit wohl froh sein, dass es moderne Unterhaltungsmedien gibt, mit denen man sich auf einer Feier die Zeit vertreiben kann. Hätte man statt Guys’ Hintern beispielsweise „Guitar Hero“ oder „Dance Dacne Revolution“ auspacken können, wäre der Abend bedeutend schmerzloser gewesen.

Nach dem Ringelpiez ist unser Held so erschöpft, dass er sich beim Laufen mit der Schulter an der Wand abstützen muss, um nicht umzufallen. Und genau das ist einer der Zeitpunkte im Leben, in denen man unbedingt einem fröhlichen Arschloch begegnen will, das sich amüsiert darüber zeigt, dass man aus dem Arsch blutet und nicht mehr aufrecht gehen kann. Wer auf der ganzen Welt wäre wohl so ein gefühlloses Arschloch? Genau, richtig, es ist Evan, eigentlich einer der geplanten Sympathieträger in diesem Novel. Ja, richtig, er hat schon so eine liebenswürdige Art an sich, dass man ihn einfach mögen muss, da hat man gar keine große Wahl. Die beiden haben ein Geplänkel darüber ob Guys nun ein Kind und Evan ein alter Mann ist (er ist Anfang 30) und schließlich erbarmt sich Evan doch noch, unseren Protagonisten zu stützen, bevor er ganz zusammenbricht.

Und mit dieser ruhigen Szene verabschiede ich mich für dieses Mal. Im Moment fühle ich mich so schmutzig, dass ich dem Verlangen, eine heiße Dusche zu nehmen, nicht mehr widerstehen kann.
Nächstes Mal lernen wir, was nachts durch die Gänge des Gefängnisses spukt, wie ein waschechtes Uke frühstückt und warum es manchmal besser ist, nicht immer den billigsten Anwalt zu nehmen.
Bis dann!

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