Montag, 6. September 2010

Enzai 02 - Hard Candy

Wer hat nicht schon von dem Jahrtausendwerk gehört, das mehrere Generationen bewegt hat und noch bewegen wird? Ein Kunstwerk, das von Connaisseuren wie folgt beschrieben wird.

“ Enzai ist dreckig, brutal und pervers. Es kommen sogar viele Vergewaltigungne drin vor- doch wird das Thema nicht beschönt. Es wird sogar deutlich gezeigt, dass Guys seine Würde deswegen völlig verlieren kann.
Mir gefällt das.
Davon abgesehen gibt es viele interessante Charaktere.“

- Genau so nachzulesen in Animexx-Forum -

Nicht nur das, derselbe Fachmann nennt Enzai gar in einem Atemzug mit Gothes Faust. Für alle, die fürchten, dass die wirre … pardon, sehr gut durchdachte Geschichte zu anspruchsvoll für sie sein könnte gibt es – welch zweifelhafte Freude, nun meine Reviews.

Wir werden gemeinsam lachen (zumindest hoffentlich meine Leser, ich weniger), weinen (ich weiß, dass ich das tun werde) und wir werden vielen Kindern Bishis beim Geschlechtsverkehr begegnen.

Ich bitte nun alle, sich einen Partner zu suchen und an der Hand zu nehmen. Niemand sollte allein im Rape-Gefängnis aus der Hölle herumstreunen. Glauben Sie mir, in den Tiefen, in die wir uns gemeinsam begeben, will niemand allein verschollen gehen.

In den kleinen Blechdosen, die am Eingang ausgeteilt wurden, befinden sich starke und sedierend wirkende Psychopharmaka und für alle, die keinen Ausweg mehr sehen oder sich der schieren Last des erdrückenden Dramas und Anspruchs nicht mehr gewachsen sehen, eine Zyankalikapsel.

Ich hoffe, jeder hat seinen Partner gefunden und fest an der Hand, denn nun geht es los.

Des Dramas erster Akt

1. Szene: Die seltsamen Vorlieben eines Volljährigen und die grässlichen Folgen

Wer das von atonaler Stampfmusik unterlegte Opening des Spiels hinter sich gelassen hat, wird nach einem mit dem grinsenden Guildias gezierten Startbildschirm mit der Trostlosigkeit des eigentlichen Spiels konfrontiert: Ein grauer Kasten mit Text im Vordergrund und dahinter ein lieblos hingekrakelter Hintergrund, der ein kleines bisschen den Eindruck macht, als hätte ihn ein Landminen-Opfer mit dem Mund gemalt – ja, das Spiel meint es offenbar erst und spaßt nicht herum, denn sofort wird der geneigte Spieler in die tiefe, verzweigte Geschichte geworfen. Der Text sagt, dass gutes Wetter ist, dass Mami und Papi auf der Arbeit sind und auch der große Bruder des Protagonisten geht irgendeiner Arbeit nach. Nur Guys, der faule Sack, hat nichts zu tun und langweilt sich, was uns auch gleich ein Sprecher mit einer nölig-knödeligen Kleinjungenstimme aufs Auge drückt.

Mit seinen Freunden hängt er rum, sagt er. Weil er nichts zu tun hat und offensichtlich auch noch komplett blank ist. Soweit so gut. Im nächsten Absatz wird der Himmel plötzlich grau und einer von Guys nichtsnutzigen Freunden fragt sich, ob es regnen wird.

Nein, das ist kein Scherz, liebe Leser. So werden in diesem Interactive Novel die Szenenwechsel gemacht. Um den gleichen Effekt zu haben schlagen sie sich mit einem Hammer gegen die Stirn oder schalten sie das Licht aus, wenn es in einem Zimmer dunkel ist, es wäre ähnlich subtil. Man merkt gleich, wie viel Mühe sich die Macher mit der Ausgestaltung der epischen Geschichte um Verrat, Niedertracht und natürlich viel analer Notzucht gegeben haben. Aber ich schweife ab. Die Jungs hocken da, gucken wie Deppen in den bleigrauen Himmel und man ist sich sicher, dass es bald anfangen wird zu regnen, ja.

Uhm … OK, gut. Hier sitze ich und höre mir Japaner an, die lustlos ihren schwachsinnigen Text in ein Mikrophon lallen. Und mich beschleicht das Gefühl, dass ich meine Zeit irgendwie auf bessere Art verschwenden könnte.
Obwohl das Wetter lang und breit mockiert wird, sind alle unglaublich überrascht, als es nun plötzlich tatsächlich anfängt, zu gießen. Die jungen Männer eilen zu einem nahe gelegenen Kaufladen, um sich dort unterzustellen. Guys gafft aus dem Fenster, erschreckt sich wenn es blitzt und donnert und legt somit schon einmal den Grundstein zum unglaubwürdigsten Angeblich-Volljährigen, den die Welt je gesehen hat. Und wer an der Tatsache, dass unser Held beim ersten Blitz anfängt zu quieken wie eine Fünfjährige, herausfinden kann, ob er das Uke oder der Seme in diesem Yaoi-Bullshit ist, der kriegt von mir einen Keks, wenn das alles hier vorbei ist.

Guys fängt an, in dem Laden herumzueiern. Warum? Nun … macht man das nicht, wenn man in einen Laden geht? Auf jeden Fall packt einer von seinen Freunden seinen Ärmel und fragt ihn, ob er wisse, was zu tun sei, wenn der Regen nachließe. Guys weiß es, verrät es mir aber noch nicht. Wie bestellt zieht das Gewitter nun sogar tatsächlich weiter und die Kinder … verdammt nochmal! – die jungen Männer beziehen Aufstellung. Warum sage ich eigentlich immer wieder, dass es Kinder seien? Guys ist doch schon – so versichert man mir auf diversen Websites – 18 Jahre alt. Keine Ahnung, wie ich Dummerle immer wieder denken kann, dass es keine erwachsenen Männer sind, die ich da vor mir habe.

Und als der Ladenbesitzer einen Moment lang nicht aufpasst, da nimmt sich Guys auch schon eine Schachtel Süßes aus dem Regal und …

MOMENTCHEN MAL!

JETZT ist es doch eigentlich sicher, dass es sich auf gar keinen Fall um Volljährige handeln KANN, oder? Mal im ernst, selbst, wenn man nachträglich das Alter der dummen Blagen nach oben korrigiert, dann sollte man auch auf solche Feinheiten achten.

Welcher 18jährige klaut eine Schachtel Bonbons? Tittenmagazine, die Kasse, Schnaps oder Bier, das vielleicht, aber doch keine Süßigkeiten.

Aber egal, wer sich hinstellt und sagt, dass das, was er hier sieht, eigentlich das Zeug zum Shota hat, ist ein dummer Spielverderber und Banause und stinkt. Und weil ich das nicht sein will, werfe ich einfach meinen gesunden Menschenverstand so gut es geht über Bord. Das wird mir auch in den noch folgenden Szenen unglaublich hilfreich sein.

Wir waren also bei Guys und den Süßigkeiten. Die Jungs geben nun natürlich Fersengeld, schließlich vertilgt man geklautes Zuckerzeug nicht gleich im Laden. Der Ladenbesitzer ist ziemlich unerfreut über den Diebstahl, bleibt aber brav zurück und ruft den Dieben ein „Halt!“ nach, das – welch große Überraschung – nichts nutzt.

Wir stellen gleich darauf mit Guys gemeinsam fest, dass er nicht nur nicht in der Lage ist, UNBEMERKT Bonbons zu klauen, sondern auch nicht geradeaus laufen kann. Das dumme Blag fällt hin (Ukes und Frauen tun das immer, wenn sie verfolgt werden) und das gibt dem alten Ladenbesitzer die Zeit, die Verfolgung aufzunehmen. Der Alte ist offenbar ähnlich fit wie unser kleines Uke und bald galoppieren die beiden gemeinsam die Gasse entlang. Während seiner Flucht bemerkt Guys … irgendwas. Er kann es sich nicht leisten, den Kopf zu drehen und nachzuschauen was es ist (ACHTUNG LIEBE LESER! ICH SCHREIBE GROSS, WEIL ICH SO SUBTIL SEIN WILL WIE DAS SPIEL: FÜR ALLE, DIE ES NICHT GEMERKT HABEN – DIES IST EIN PLOTPOINT! DESWEGEN MUSS ICH DAS AUCH BUNT MARKIEREN. GINGE ES, WÜRDE ICH ES AUCH NOCH BLINKEN LASSEN!!!!1!).

Die Tatsache, dass Guys wirklich zu dumm zum Laufen ist, bestätigt sich, als er in jemanden hineinrennt. Wieder fällt er auf den Boden und der geneigte Spieler hört zum ersten Mal die Stimme von Guildias, der sich mit leicht amüsierten Unterton in der Stimme erkundigt, was denn hier vor sich ginge.
Es ist übrigens keine Untertreibung, wenn ich sage, dass Guildias’ Stimme von einer so schleimigen Konsistenz ist, dass man sie allein schon als natürliches Gleitmittel verstehen kann. Die vermutlich einzige Sache der Welt, die durch das Ohr direkt in den Schlüpfer geht. Jemanden, der so spricht, würde man irgendwann im Privatleben nur noch unter Androhung von Prügeln den Mund aufmachen lassen.

Der Ladenbesitzer faselt sofort irgendwas von „Mr. Detective“ und ich bekomme – wie später noch sehr oft im Spiel – den Eindruck, dass alle anderen Beteiligten wesentlich mehr wissen als ich. Auf jeden Fall erzählt der Alte, dass Guys Ladendiebstahl begangen hat und Guildias verspricht, dass er sich der Sache annimmt. Natürlich bekommt Guys Schiss und wenig später auf der Polizeistation zeigt sich, dass er auch allen Grund dazu hat.

Guildias zeigt, dass er kriminalistisches Gespür besitzt, indem er einfach nochmal die Fakten wiederkäut. Guys ist ein Ladendieb, ja. Und er hofft, dass er mit einer milden Strafe davon kommt, wenn er keine Zicken macht. Die Verhör-Parodie wird von einem Klopfen an der Tür unterbrochen. Guildias unterhält sich mit irgendwelchen Typen (erklären muss man dem Spieler nichts, das würde den dramatischen Effekt ruinieren) und Guys schnappt die Worte „Leiche“ und „Messer“ auf. Ahh … wieder einmal zeigt sich, wahres erzählerisches Können in seiner reinsten Form.

Was nun passiert, ist so dermaßen irre, dass ich mir bei dieser Szene immer wieder an den Schädel greifen musste. Aufgemerkt, liebe Leser, DIES ist eines der Beine, die diese gar epische Geschichte trägt!

Guildias sagt, dass er sich um die Aufklärung des Mordes kümmern würde und konfrontiert unseren Guys sofort:

Also, um es kurz zu machen: Ja, er will uns den Mord unterschieben. Guys ist überrascht, ich nicht. Was mit allerdings tatsächlich überrascht ist, wie es weitergeht. Guildias schleift unseren Helden nach unten in den Keller, um ihm die Leiche zu zeigen damit „er sein Opfer wieder erkennt“. Als Guys die Leiche sieht, ist er geschockt. Dem Mann ist der Schädel eingeschlagen worden und auch der Rest des Körpers sieht schlimm zugerichtet aus.

Aus verständlichen Gründen fängt Guys natürlich gleich an, loszuflennen.

„Aber ich hab doch … ich bin nicht … ich weiß nicht …“, eben der übliche Brei, der einem in einer solchen Situation über die Lippen kommt. Und nun – aaaaaaaaachtung – kommt der Satz, auf dem später ein Teil von Guildias’ Ermittlungen gestützt wird:

Guildias: „If you hadn’t killed him, you wouldn’t be able to look at him.”

Ah …ja. Was soll das? Ich meine … jedem hier wird sofort klar, dass dieser komische Detective ein großes Interesse daran hat, uns hinter Gitter zu bringen. Das ist kein Spoiler, wer das nicht gecheckt hat, der hat sein Hirn an der Abendkasse abgegeben. Aber nun ja, jeder, der mit so einer Schlussfolgerung einverstanden ist und sagen kann, dass das wirklich eine besonders clevere Form der Beweisführung ist, der … nein, ich denke mir hier keinen Vergleich aus. Ich weigere mich zu glauben, dass es überhaupt jemanden gibt, der so etwas schlüssig fände.

Wie dem auch sei, Guildias beschwatzt Guys, er solle doch endlich gestehen, Lügen hätte keinen Sinn. Und gerade, als er andeutet, dass er eigentlich keine Gewalt mag (das werden wir übrigens im Verlauf des Spiels noch öfters sehen), aber dass er leider nicht gnädig mit jemandem umgehen könne, der sich so dickköpfig anstellen würde. Aha. Und wie bestellt schreit auch schon irgendwo in diesem Gebäude mit den dicken Stahltüren und den dicken Steinwänden jemand unter gar schröcklicher Folter so laut, dass sogar Guys es hören kann.

Wenn sich jetzt jemand fragt: „Verdammte Hölle, wann spielt dieser Käse überhaupt“: Es ist ein Spiel, das in der Zeit des Napoeonischen Zeitalters spielen soll.

Das bedeutet folgendes: Grundsätzlich war das Leben für die Armen immer noch scheiße, aber irgendwelche Clowns konnten Dinge nicht mehr ganz so einfach machen, nur weil sie reich und mächtig waren. Vielleicht hätte das jemand unserem kleinen Guys mal sagen sollen, denn als Guildias dann noch sagt, er würde ein Geständnis in seinem Bericht erwähnen, was sich gut auf die Dauer der Strafe auswirken würde, nickt unser sympathischer Held das natürlich ohne wirklich große Probleme ab.

Das nächste, das wir hören, ist die Stimme des Richters, der Guys zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verknackt. Was. Soll. Das? Hallo?! Das muss ja wirklich eine TOLLE Verhandlung gewesen sein.

Zu schade, dass man sie uns erspart hat. Jeder Anwalt hätte etliche Zeugen auftreiben können, die hätten aussagen können, dass unser „Held“ unschuldig ist. Seine Freunde, vermutlich sogar der Ladenbesitzer. Man hätte die Süßigkeiten als Beweismittel stellen können, aber von denen war ohnehin nie wieder die Rede. Außer einem erpressten Geständnis gibt es keinen Beweis für Guys’ Schuld. Was MACHT dieser Novel da? Fakt ist, dass es eigentlich höchst unwahrscheinlich wäre, dass das kleine Uke verknackt wird. Also spart man sich den Verlauf des Prozesses und setzt dem Spieler einen dampfenden Haufen Scheiße vor. Ich kann nicht glauben, dass es Leute gibt, die sich darüber nicht beschwert haben und das auch noch so hingenommen haben.

Können Fans wirklich so dumm sein? Gibt es Menschen, die so sehr nach Yaoi hungern, dass sie wirklich alles gut finden, und wenn es diese Grütze ist? Und vor allem: Wer kann sich bei dieser dünnen Suppe noch hinstellen und behaupten, dass das eine gute Story ist, die man da mitverfolgt? Wenn schon der GRUND für den ganzen Arschfick keinen Sinn macht, was bleibt denn dann noch übrig? Meine Güte, sogar Absolute Obedience mit seinen ausgebildeten Rape-Soldaten hatte mehr Sinn. Da war zwar das Konzept schon zum Schreien dumm, aber wenigstens hat man sich in den einzelnen Episoden um einen kompletten Erzählstrang bemüht.

Aber kommen wir zurück zu unseren kleinen Uke. Es steht ja noch immer im Gerichtssaal, Muddi weint sich die Augen aus und Guys fällt ein, dass er jetzt eigentlich mal sagen könnte, dass er DOCH nichts gemacht hat. Aus verständlichen Gründen hört niemand zu.

Dazu möchte ich noch etwas zu der Stimme des kleinen Blags anmerken: Guys klingt ein bisschen wie ein Teenager im Stimmbruch, der sich unablässig in einen Blecheimer übergibt. Würde ich im Moment nicht unter dem Einfluss von 2 Litern Kaffee stehen, würde ich sie auch nicht freiwillig ertragen.

Nun ja, nach dem Ausgang dieser „Verhandlung“ (man schämt sich schon fast ein bisschen, das Wort in diesem Zusammenhang zu benutzen) freut sich wenigstens unser Anwalt, dass er uns die Todesstrafe ersparen konnte. Jetzt muss man sich natürlich fragen, was für ein Anwalt das ist, zumal in der Verhandlung ein Muppet in einer Robe wahrscheinlich eine bessere Figur gemacht – von einem Plädoyer mal ganz zu schweigen. Aber Guys Nase liefert uns auch gleich den Grund für die anwaltliche Unfähigkeit: Unser Herr Verteidiger ist stramm wie 20 Russen. Aber immerhin gibt er uns noch einen aufmunternden Klaps auf die Schulter, bevor man mich nach Lana Epar schleppt. Danke! Da haben sich die Anwaltskosten wirklich gelohnt! Offenbar möchte uns auch Guildias aufmuntern, zumindest lächelt er uns zu. Charming!

Bleiben Sie bei mir, wenn Guys zum ersten Mal einen Fuß in das Gefängnis setzt, liebe Leser. Ich brauche erstmal eine Pause. Und der Gedanke, wie viel von dem Spiel noch vor mir liegt, lässt mich schon wieder nach der Kaffeekanne greifen … lassen Sie mich bitte nicht allein, ja?

Ich … glaube, ich kann die Stimmen von Japanern hören. Und … sie quieken …

1 Kommentar:

  1. Ich glaube, zu der Dummheit die hier auftaucht, muss man nichts mehr sagen.
    Aber was anderes. Du willst mir Zyankali geben? Weisst du nicht, dass das ein elender Tod ist? Da erstickt man mit vollem Bewusstsein. Geht glaub ich zwei bis drei Minuten. Ich verlange besseres Selbstmordmittel.

    Mit freundlichen Grüssen
    TorturNight

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